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Zwei Tipps, ohne die Kinder gar nicht auf Dich hören KÖNNEN

„Ich hab dir gesagt, du sollst mit dem Quatsch aufhören! Rede ich chinesisch oder was? Wie oft soll ich es dir NOCH sagen?“

Hand auf’s Herz, wie oft passiert es Dir, dass Du Kindern oder auch anderen Erwachsenen sagst, was Du von ihnen möchtest und dass sie trotzdem kein Bisschen darauf hören? Wie oft passiert es Dir, dass Du vollkommen verzweifelst, wenn keine Reaktion kommt und Du deshalb vielleicht immer lauter und „deutlicher“ wirst?

Ich möchte Dir in diesem Blogbeitrag ein paar Tipps geben, wie Du dafür sorgen kannst, dass Deine Mitmenschen überhaupt DIE MÖGLICHKEIT bekommen, auf Deine Worte zu hören,

Unsere Sprache und unsere Gedanken beeinflussen sich gegenseitig. Wenn wir bestimmte Worte hören, haben wir sofort Bilder im Kopf, Gerüche in der Nase oder wir fühlen dabei sogar etwas. Oder woran denkst Du, wenn Du an eine Zitrone denkst? An den sauren Geschmack? In meinen Fortbildungen zur Kommunikation lese ich zu Beginn meistens eine Geschichte vor, während der die Teilnehmenden die Augen schließen und sich einfach mal auf meine Worte konzentrieren und es ist wahnsinnig spannend, was sie im Nachhinein über die Bilder in ihren Köpfen und auch ihre Gefühle berichten – obwohl wir in einem Seminarraum sitzen bzw. sogar alle vor eigenen Bildschirmen. Dass unsere Worte einen erheblichen Einfluss haben, ist also klar, aber WIE STARK der Einfluss ist und welche Kleinigkeiten in der Sprache ein ganzes Bild ändern können, ist vielen Menschen nicht klar und Dir möchte ich an dieser Stelle einiges an Klarheit bieten.

Kommunikation ist immer eine Herausforderung, da wir alle aus unserer Perspektive sprechen und auch hören und da wir alle unterschiedliche Dinge wahrnehmen. Außerdem haben wir alle unterschiedliche Assoziationen zu verschiedenen Wörtern. Woran denkst Du beim Wort „Abschlussprüfung“? An den Stress, den das Lernen bereitet? An die Aufregung während der Prüfung? Oder an die Feier danach? Die Tatsache, dass wir nie sicher sein können, wie unser Gegenüber unsere Worte auffasst, heißt aber nicht, dass es egal ist, was wir sagen. „Sie versteht ja eh nur was sie will“ ist meiner Meinung nach nicht die zielführende Herangehensweise. Zielführend ist es meiner Meinung und meiner Erfahrung nach, SEINEN EIGENEN TEIL zu gelingender Kommunikation beizutragen, Verantwortung für die eigene Sprache zu übernehmen und sie immer und immer wieder zu reflektieren – auch hinsichtlich ihrer Wirkung.

So vieles, was Menschen über den Tag verteilt sagen, sagen sie unbewusst und ganz häufig sagen sie gar nicht das aus, was sie eigentlich meinen, bzw. manchmal stimmt es auch schlichtweg nicht. Eine der wichtigsten Voraussetzung für gelingende Kommunikation ist die absolut klare und deutliche Sprache. Dafür ist es notwendig, dass Du vorher genau überlegst, was Du eigentlich willst, bzw. – und das ist oft einfacher – was Du nicht willst.

Denk nochmal an das Beispiel vom Anfang. Sagen wir eine Fachkraft möchte, dass ein Kind aufhört, die Spielsachen im ganzen Raum zu verteilen. Also sagt sie ihm „Hör auf mit dem Quatsch.“ Das Problem ist, dass der Quatsch vollkommen abstrakt ist und je nach Alter für Kinder überhaupt nicht einzuordnen ist. Im Kopf des Kindes könnte quasi vorgehen „Was meint sie mit Quatsch? Ich verteile doch die Spielsachen im Raum, damit man überall im Raum spielen kann, das ist jetzt ja gerade total wichtig.“ Für das Kind ist seine Handlung gerade alles andere als Quatsch. Und selbst wenn das Kind den Quatsch interpretiert, denn mit der Zeit gewöhnen sich die Kinder ja an diese Aussagen, bleibt die Frage „Wenn ich das jetzt nicht machen soll, was soll ich denn sonst machen?“

DEIN BEITRAG zu einer gelingenden Kommunikation ist also dem Kind ganz klar zu sagen, was Du von ihm möchtest. Und Achtung: idealerweise NICHT, was Du NICHT möchtest. Tipp 1: Frag Dich, was Du sehen möchtest. Was möchtest Du von diesem Kind sehen? Dass es die Spielsachen in der Spielecke lässt? Dann sag das doch. Und damit das Kind, das das Spielsachen-Verteilen gerade wichtig findet, versteht WARUM Du das möchtest, ist auch eine Erklärung sinnvoll. Also: Was möchtest Du sehen? Und warum? „Ich möchte, dass Du bitte die Spielsachen in der Spielecke lässt. Ich habe nämlich Angst, dass wir sonst welche verlieren.“ Na klar, das ist keine Zauberei und vielleicht ist das Bedürfnis des Kindes gerade stärker (dann wäre es Interessant mit dem Kind über das Bedürfnis, also den Grund in’s Gespräch zu gehen), aber immerhin kann das Kind durch diese Worte nachvollziehen was Du möchtest und warum es sinnvoll wäre, Dir diesen Wunsch zu erfüllen – Spielsachen verlieren wäre ja wirklich blöd. Übrigens: Manchmal hilft es hier auch zu fragen: Was möchte ich nicht? Nämlich, dass die Spielsachen verteilt werden und dann: Was möchte ich stattdessen? Dass die Spielsachen in der Spielecke bleiben.

Tipp 2: Komm zum Punkt. Du möchtest, dass das Kind Dich versteht, aber wichtig ist dennoch dabei nicht zu umschweifend zu werden – eine meiner Spezialitäten 🙂 Vielleicht kennst Du das, dass Du gerade, wenn Dir eine Aussage unangenehm ist, so viel wie möglich drum herum redest. Das passiert vor allem im Umgang mit anderen Erwachsenen häufig. Ich hatte gerade erst die Situation, dass ich etwas absagen wollte, mich dabei aber unwohl gefühlt habe. Als erstes tippte ich „Ich habe lange überlegt und möchte Ihnen leider sagen, dass… usw.“ Warum schreibe ich leider? Ich möchte tatsächlich unbedingt absagen und das „leider“ entspricht gar nicht wirklich meinen Gedanken. Am Ende war es mein Tipp 1, den ich berücksichtigt habe. Ich habe überlegt, was ich will, kam zu dem Gedanken „Ich möchte xy absagen, weil sich das Angebot für mich nicht stimmig anfühlt“ und ich schrieb „Ich möchte xy gerne absagen, weil es sich für mich nicht stimmig anfühlt.“ Und auch das passiert im Umgang mit den Kindern häufig: Weil Du deutlich sein willst, erklärst und diskutierst Du, bis Du gar nicht mehr weißt, wo Ihr eigentlich angefangen habt.

Überlege also bevor Du sprichst, was Du eigentlich sagen möchtest und dann: Sag genau das 🙂 Vielleicht denkst Du jetzt, dass das anstrengend ist – wir sagen ja eine Menge an so einem Tag und vor jedem Satz einmal überlegen… Puh! Ich kann Dich aber beruhigen, denn es ist lediglich eine Gewohnheitssache. Ja, vielleicht mag es anfangs anstrengend sein, es wird mit der Zeit aber einfacher. Und für den ersten Schritt reicht es auch, wenn Du im Nachhinein feststellst „Oh, das hätte ich anders sagen können“ und dann machst Du es vielleicht beim nächsten, übernächsten oder 25 mal genau so 🙂

Wenn Du gerne noch mehr Tipps für klare Sprache und klare Formulierungen haben möchtest, dann schau doch mal in meinem Newsletter „Glücklich sein und glücklich Kinder begleiten“ vorbei.

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